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Altena

Von 1815 bis 1840 wirkte in Altena der Pfarrer Ernst August Christian Rauschenbusch (*Bünde 1777 –†Altena 1840) (s. Schwelm). Bei seinen bibelhistorischen Studien lernte er den Münsterer Historiker Friedrich Kohlrausch (1780-1867) und den Iserlohner Theologen und späteren Berliner Oberhof- und Domprediger Gerhard Friedrich Abraham Strauß (1786 in Iserlohn geboren) kennen. 1812 und 1813 traf man sich regelmäßig in einem Plato-Kränzchen.

Aus Altena stammt der Literaturkritiker, Essayist, Lyriker und Reiseschriftsteller Friedrich Sieburg (*1893 – †1964 Gärtringen). Nach dem Studium der Philosophie, Geschichte und Nationalökonomie lebte er hier bis 1926, bevor er als Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach Paris ging. Es folgten freiberuflich weltweite Reisen, über die er in Reportage-Büchern berichtete. 1942 kehrte er in die Redaktion der FAZ zurück. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde er wegen faschistoider Äußerungen angegriffen. Er war Mitherausgeber der Zeitschrift Gegenwart und von 1956 bis 1964 verantwortlich für die Literaturbeilage der FAZ. 1963 erhielt er den Westfälischen Literaturpreis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

Friedrich Sieburg über sich selbst:

»Selbstbildnisse werden vor dem Spiegel gemalt. Aber es kommt eine Zeit, da hat der Mensch keine Neigung mehr, sich im Spiegel zu betrachten, nicht einmal der Schriftsteller, der doch geistig davon lebt, sein Ich unaufhörlich mit der Außenwelt zu konfrontieren. Auf vielen Selbstporträts sieht man den Künstler von den Requisiten seiner Existenz umgeben, etwa mit den Andeutungen einer Landschaft oder eines Gerätes oder eines zweiten Menschengesichtes. Aber das Wort, in dem sich die Möglichkeiten eines Schriftstellers erschöpfen, ist streng und duldet keine Götter neben sich. So bleibt mir heute – mit siebzig Jahren – nicht viel anderes übrig, als die Bücher zu zählen, die ich veröffentlicht habe – es sind an die siebenundzwanzig , und mir zu vergegenwärtigen, wieviel besser ich sie hätte machen können. Meine Neigung, Institutionen anzugreifen, wie ich es in die Lust am Untergang, Selbstgespräche auf Bundesebene getan habe, hat nachgelassen. Die Summe der von mir seit Jahr und Tag geübten Literaturkritik ist vorläufig in Nur für Leser, Jahre und Bücher zusammengefaßt. Hat diese kritische Bemühung genützt? Mein Leitsatz ist auch heute noch: ›Nutzlos, nicht sinnlos!‹ Die historischen Stoffe haben mich von früh auf beschäftigt, weil sie mich im Glauben an die Kontinuität der menschlichen Bemühungen bestärkten und mich gelehrt haben, daß es vielleicht einen Anfang, aber nie ein Ende gibt. Man kann wohl nach Höhepunkten menschlichen Verhaltens streben, aber nie einen Endzustand wünschen. Meine Monographien Robespierre, Napoleon, Chateaubriand und In Licht und Schatten der Freiheit legen davon Zeugnis ab. [...] Mein letztes Buch heißt Lauter letzte Tage. [...] Täglich ist die innere Welt neu aufzubauen, täglich ist sie neu zu beschwören, und für dieses mühsame Werk stehen dem Schriftsteller nur Worte zur Verfügung, nur Worte. Wo es zum Bilde nicht langt, weil in den Spiegel sich nicht nur das eigene Gesicht, sondern das ganze Leben drängt, da müssen die Skizzen herhalten. Denn auch sie sind von einer Hand festgehalten, die einst willig zu Staub zerfallen wird.«

Literarische Stätte: Friedrich Sieburgs Geburtshaus in der Lüdenscheider Straße (mit Gedenktafel) ist erhalten.

Hertha Trappe (1903 in Altena geboren), Ehefrau des Altenaer Bürgermeisters, wurde für ihren Roman Was ich wandre dort und hier 1954 in der Schweiz mit dem Charles Viellon-Literaturpreis ausgezeichnet. »Hertha Trappe war eine Autorin, die es wagte, vom Herzen zu sprechen« – so Ernst Meister (s. Hagen u.ö.) in einer persönlichen Würdigung.

Literarische Stätte: Hertha Trappes Wohnhaus in der Graf-Adolf-Straße 10.

Hinweise: Grabmal Anton Wilhelm von Zuccalmaglios (s. Nachrodt-Wiblingwerde) auf dem oberen Burghof der Burg Altena (ehemals katholischer Friedhof in Altena). In Altena wird jährlich ein Märkisches Stipendium für Literatur von der Märkischen Kulturkonferenz e.V.  vergeben.




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