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Ahlen

In Ahlen wurde um 1545 Heinrich von Staden geboren. Früh verwaist, kam er 1564 über Livland an den Hof Iwans des Schrecklichen in Moskau. Hier war er einer der wenigen Ausländer in der berüchtigten Leibgarde des Zaren. Nach dem Krieg gegen die Tartaren verlor er seine Besitzungen und kehrte nach Deutschland zurück. Seine Sprachkenntnisse und sein Verhandlungsgeschick führten ihn in die Dienste des Pfalzgrafen von Velden-Lützelstein, in dessen Auftrag er in Prag seine Aufzeichnungen Über der Moskowiter Land und Regierung zu Papier brachte. Das Manuskript galt bis um 1900 als verschollen, ehe es im Staatsarchiv Hannover aufgefunden wurde. 1925 wurde es als erstrangiges Dokument der Geschichte Moskoviens in der Sowjetunion veröffentlicht.


Ein weiterer Ahlener ist der Humanist Bernhard von Mallinckrodt (*1591). Nach dem Studium von 1607 bis 1620 in Helmstedt, Marburg, Herborn, Köln und Rom trat er 1616 zum Katholizismus über. 1650 unterlag er als Münsterischer Domdechant und Mindener Koadjutor seinem Widersacher Christoph Bernhard von Galen bei der Bischofswahl. Jener ließ ihn 1655 absetzen und 1657 auf der Burg Ottenstein bei Ahaus arretieren, wo Mallinckrodt nach 7jähriger Haft 1664 starb. Als vielseitiger Wissenschaftler hat er Fragen der Altertumswissenschaft, Staats- und Kultur-, Kirchen- und Heimatgeschichte, Theologie, Philosophie, Rechtswissenschaft und Geographie bearbeitet. Zu seinen wichtigsten Werken zählt ein Band über die Entstehung und Entwicklung der Buchdruckerkunst (1640).

Werke: De natura et usu literarum disceptatio philologica (Münster 1638); De ortu et progressu artis typographicae (Köln 1640). 
Literarische Stätte: Das Geburtshaus Heinrich von Stadens, Haus Küchen, ist erhalten geblieben. Es diente später Bernhard von Mallinckrodt als Wohnsitz. Das erstmals 1392 urkundlich erwähnte Rittergut wurde 1962 restauriert.


Aus Ahlen stammt auch Sibylla Katharina Schücking geb. Busch (1791-1831), Freundin Annette von Droste-Hülshoffs (s. Münster-Nienberge u.ö.) und Mutter Levin Schückings (s. Leopoldshöhe-Niederbarkhausen, Sassenberg u.ö.). Die älteste Tochter des Stadt- und Landrichters Ignatz Anton Busch wuchs in Dülmen auf und wurde im dortigen Kloster Agnetenberg erzogen. 1807, während eines längeren Aufenthalts in Münster, wurde ihr literarisches Talent von Anton Mathias Sprickmann (s. Münster) entdeckt und weiter gefördert. Er führte sie auch in den Kreis der Fürstin Amalia von Gallitzin (s. Bad Driburg, Dülmen, Münster, Münster-Angelmodde) ein. Im Herbst 1810 erschienen erste Gedichtveröffentlichungen Katharinas in Friedrich Raßmanns (s. Münster) poetischem Taschenbuch Mimigardia und im Westfälischen Anzeiger. Entgegen den Gepflogenheiten der Zeit waren diese Beiträge – ohne Wissen Katharinas – namentlich und mit ihrem Wohnort bezeichnet, wodurch die Autorin ungewollt zu einer ›literarischen Berühmtheit‹ wurde. Allerdings im negativen Sinn: Sie mußte sich in Münster Spott und mißtrauische Anfeindungen gefallen lassen. Vielleicht aufgrund dieser ›Ausnahmestellung‹ wurde sie für Annette von Droste-Hülshoff, mit der sie seit 1813 bekannt war, so etwas wie ein Dichteridol. Jene widmete ihr ein eigenes Gedicht (Catharine Schücking), in dem sie Katharina Schücking als Westfalens Dichterin bezeichnet.
Die 1813 geschlossene Ehe mit dem Juristen Paul Modestus Schücking, ihr Umzug nach Meppen, häusliche Aufgaben (als Mutter von vier Kindern) und die räumliche und gesellschaftliche Isolation im Emsland führten zu Katharinas literarischem Verstummen. Zu Lebzeiten trat sie nur noch einmal literarisch auf, 1821 in Raßmanns Rheinisch-westfälischem Musenalmanach – diesmal allerdings unter dem Pseudonym Pauline zu Cl. (nach ihrem Wohnort Clemenswerth). Katharina Schücking verfaßte fast ausschließlich gefühlvoll-zarte Lyrik. Von ihr stammt aber auch der Satz »Wär ich doch kein Weib geworden, das sich so geduldig in all die Fesseln und Einschränkungen des bürgerlichen Lebens schmiegen muß, und das, so verschieden auch sein Charakter und seine Geisteskräfte sein mögen, doch immer sich derselben Bestimmung fügen muß«. (Brief an Anton Mathias Sprickmann, 1809)


Gebürtiger Ahlener ist weiterhin der Priester Heinrich Overhage (1806-1873), später Prediger in Werne und Lüdinghausen. Aus seiner Feder stammen zehn Bändchen Katholische Erzählungen (1853-1867), die jedoch weniger literarische als didaktische Ambitionen verfolgen.

In Ahlen verbrachte der Dialektdichter Ferdinand Krüger (s. Beckum, Bochum) seine Kindheit, in Hempelmanns Smiede (1893) beschreibt er nach Quellen einer Ahlener Stadtchronik die Besetzung der Stadt durch die Franzosen (1806-1813).

Luise Hensel (s. Borgholzhausen, Dülmen, Langenberg, Paderborn, Rheda-Wiedenbrück) leistete von 1872 bis 1874 im Ahlener Vinzenz-Hospital Pflegedienste. Sie wohnte damals im Haus für Altenpflege, heute Kampstraße.

 Peter Paul Althaus (s. Münster) absolvierte in Ahlen eine Apothekerlehre.
 

Schauplatz: In seinen Erinnerungen Der Grauende Morgen (Neuaufl. 2007) und weiteren Veröffentlichungen erinnert der Regisseur und Autor Imo Moszkowicz (*1925 Ahlen), der mit seiner Familie 1938 aus Ahlen vertrieben wurde und Auschwitz überlebte,  auch an seine Jugendjahre in Ahlen. Die Stadt verlieh ihm 2006 die Ehrenbürgerwürde.




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