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Arnsberg

»[...] die Gegend um Arnsberg ist die schönste, die ich je gesehen habe, selbst im Winter und verschneit ist sie schön.« (Karl Leberecht Immermann)


Der aus Brilon gebürtige historische Schriftsteller Johann Suibert Seibertz (*1788 Brilon – †1871 Arnsberg; Pseudonym: Eichenhorst) verbrachte seine Gymnasialjahre in Brilon und Düsseldorf. Nach dem Studium wurde er 1811 Hofgerichtsadvokat in Arnsberg, 1820 Justizamtsverwalter in Rüthen und Belecke und 1829 Gerichtsdirektor in Brilon. 1837 kehrte er nach Arnsberg zurück, wo er bis zu seiner Pensionierung 1862 Stadt- und Landgerichtsrat war. Seibertz war Ehrendoktor der Universitäten Leipzig und Bonn sowie Ehrenmitglied aller großen Geschichtsvereine. Seine Studien trugen ihm den Titel »Nestor der westfälischen Geschichtsschreibung« ein.


In seinen Westfälischen Beiträgen zur deutschen Geschichte (Darmstadt 1819, 1823) gibt er eine Übersicht der westfälischen Schriftsteller seiner Zeit.

Literarische Stätten: Wohnhaus, heute Königstraße 13 (Gedenktafel); Grabstätte auf dem Arnsberger Eichholzfriedhof.


Johanna Baltz (1847-1918) lebte als freie Schriftstellerin zeitlebens in Arnsberg. Unter dem Pseudonym Helene Busch verfaßte sie historische Gedichte, Novellen und einst vielgespielte vaterländische Dramen und Festspiele, die häufig Gedenktage im kaiserlichen Deutschland und im Hause Hohenzollern zum Anlass hatten.


Literarische Stätte: Gedenktafel am Wohn-/Sterbehaus, Chausseestraße (heute Jägerstraße) 29, in ihren Kindheitserinnerungen beschrieben. Grab auf dem Eichholzfriedhof mit Steinplatte und Inschrift »Der westfälischen Dichterin Johanna Baltz – Die Stadt Arnsberg«.


Caspar Berens (1836-1912), »ein Mann von energischem und unbeugsamem Charakter mit lebhaftem Temperament, zugleich ein Helfer und Tröster mit großer Herzensgüte« (Dietmar Rost), stammt aus Kruberg (Kreis Olpe). Als Priester war er seit 1860 in Siegen und seit 1870 in Rumbeck bei Arnsberg tätig. Während des Kulturkampfes wurde er inhaftiert und seiner Ämter enthoben, wirkte jedoch weiterhin als Seelsorger. Er initiierte den Kolpingverein in Oeventrop, das Oeventroper Schwesternhaus und das dortige Kloster der Hiltruper Missionare. Zu seinen meist erbaulichen Schriften gehört unter anderem das vierbändige Predigtwerk Das Leben Jesu (1894-1902) sowie der Roman Luise Lateau (1878).


Literarische Stätte: Gedenktafel in der Rumbeckstraße in Arnsberg und am Rumbecker Pfarrhaus.


Ebenfalls in Arnsberg lebte die zu ihrer Zeit vielgelesene Schriftstellerin Anna von Lilien-Echthausen (1841-1920; Pseudonym: A. Freiin v. L.).

Rose Felicitas Moersberger (*1862 Arnsberg – †1938 Müden; Pseudonym: Felicitas Rose) verbrachte ihre Kindheit in Arnsberg. Ihre Romane und Erzählungen spielen meist in der Lüneburger Heide und auf den Halligen. Sie verfaßte unter anderem die zehnbändige Romanfolge Provinzmädel (1902-1904) und den Roman Heideschulmeister Uwe Karsten (1909).


Aus Arnsberg stammt der sozialistische Publizist und Schriftsteller Wilhelm Hasenclever (*1837 Arnsberg – †1889 Berlin). Er war zunächst im Beruf seines Vaters als Lohgerber tätig. Als führendes Mitglied des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins um Ferdinand Lassalle (1825-1864) und Mitbegründer demokratischer Zeitungen und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands sowie des Berliner Arbeiterbundes war er unablässig politisch tätig. Trotz ständiger polizeilicher Verfolgung blieb er stets ein gefeierter Sprecher der Arbeiter. Mehr als 15.000 Arbeiter erwiesen ihm die letzte Ehre.


Literarische Stätte: Hasenclever besuchte das Gymnasium Laurentianum in Arnsberg.


Bereits weitgehend in Vergessenheit geraten ist das Werk des 1965 in Arnsberg verstorbenen Walter Vollmer. Sein fast gänzlich verwittertes Grab auf dem Arnsberger Waldfriedhof läßt sich nur mit Mühe ausfindig machen. In Arnsberg lebte und wirkte Vollmer etwa ein Lebensjahrzehnt als Pressereferent. Hauptsächlich ist sein Leben und Werk mit der Stadt Dortmund verbunden, in deren Stadtteil Westrich er 1903 geboren wurde. Das Revier ist in seinem Werk vielfältig präsent. Wie für die Werkleute auf Haus Nyland (s. Hopsten) waren Industriewelt und Heimatempfinden für Vollmer keine Gegensätze:

»Ein Land, das arbeitet, ist auf seine Weise immer schön, und gewiß das Land an der Ruhr in Werknebeln bei Tage und Werklichtern bei Nacht.«


Eine vierjährige Tätigkeit ›unter Tage‹ – nach dem Abitur 1922 – prägte zunächst Vollmers Schreiben. Anschließend war er, bis er nach Arnsberg kam, Dramaturg, gescheiterter Theologiestudent und freier Schriftsteller. Vollmers dritter Roman mit dem Titel Die Schenke zur ewigen Liebe (1935) war sein größter Erfolg und erreichte eine Auflage von 300.000 Exemplaren. Es folgten etwa 20 weitere größere Werke, die zum Teil ins Italienische, Französische, Tschechische und Flämische übersetzt wurden. 1937 stiftete ihm die Stadt Dortmund einen Ehrensold. 1955 erhielt er den Annette von Droste-Hülshoff-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.


»Walter Vollmer sah das Ruhrgebiet mit eigenen Augen, teils realistisch, teils phantasievoll-romantisch, bisweilen sogar verträumt und märchenhaft, manchmal sehr humorvoll, wie auch die Titel seiner Romane und Erzählungen erweisen.« (Schulz-Fielbrandt) – »Vollmers Erfindungs- und Gestaltungskraft sichern ihm einen respektablen Platz unter den Heimatdichtern, und auch der Versuch, einer zivilisatorisch zerstörten Landschaft und unvermeidlich schlechten Lebensverhältnissen Qualitäten abzugewinnen, die den dort Lebenden zu einem Heimatgefühl verhelfen können, wäre nur zu begrüßen, liefe er nicht zugleich auf Verschönerung von Zuständen und Verdeckung von Mißständen hinaus, die sich – wie die Zukunft gezeigt hat – verändern, verbessern, beseitigen ließen. Es sind hier die gleichen Vorbehalte anzumelden, die schon gegen seine Vorläufer geltend gemacht wurden, ja angesichts der weitgehenden Identifikation mit den entsprechenden Zielsetzungen des Nationalsozialismus – Vollmer ließ sich gern und ausdauernd zur Mitarbeit an »Heimat und Reich« gewinnen – sind sie zu verschärfen.« (Renate von Heydebrand)


Literarische Stätte: Grab auf dem Waldfriedhof.


Weitere literarische Stätten: Gedenktafel für Friedrich Wilhelm Grimme (s. Münster, Olsberg-Assinghausen, Paderborn) an der heutigen Norbertusschule, die er als Gymnasiast besuchte. Im Sauerlandmuseum in Arnsberg werden Zeugnisse seines literarischen Schaffens aufbewahrt. Dort befindet sich auch eine umfassende Bibliothek und eine Kartei zu sauerländischen Schriftstellern und ihren Veröffentlichungen.


An einem Baum auf dem Schloßberg, im Park der Burg Arnsberg befindet sich eine Gedenktafel für August Disselhoff (1829-1903) (s. Soest, Schwelm), der dort sein Wanderlied »Nun ade, du mein lieb' Heimatland« verfasste, bevor er zum Studium nach Halle an der Saale ging.


Hinweise: Die Stadt Arnsberg vergab eine Zeitlang im Zweijahresturnus im Rahmen eines Internationalen Kurzgeschichten-Kolloquiums den Deutschen Kurzgeschichtenpreis (seit 1991 umbenannt in Deutscher und Internationaler Kurzgeschichten- und Kurzprosa- Wettbewerb der Stadt Arnsberg); ebenfalls alle zwei Jahre wurde der Preis für Internationale Kurzprosa und der Hartwig-Kleinholz-Preis für junge Prosa vergeben.


Schauplatz: In Erlebtes (1877) und seiner Lyriksammlung Liebe, Leben, Kampf (1876) schildert der Sozialist Wilhelm Hasenclever seine Jugend in Arnsberg. Vom Kreis Arnsberg handeln Ferdinand Sonnenburgs Erzählungen aus der Zeit des 7jährigen Krieges Die Söhne der Roten Erde (Glogau 1896) sowie Wilhelm Biermanns Der Richter (Jagdgeschichte, Neudamm 1931).




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