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Zu den Dortmunder Schriftstellern der ersten Stunde gehört Jakob Schöpper. Er soll einem vornehmen Dortmunder Geschlecht entstammen und wurde nach 1544 in Dortmund als Prediger bekannt. Er schrieb verschiedene Dramen in lateinischer Sprache, unter anderem Johannes decollatus (1544) und Monomachia Davidis et Goliae (1550).

Gebürtiger Dortmunder ist der bedeutende Publizist und Teilhaber der Verlagsbuchhandlung Gebrüder Mallinckrodt, Arnold Mallinckrodt (*1768 – †1825 Soest), Sohn eines Wandschneiders und Ratsherrn, ein Verwandter der Ordensgründerin Pauline von Mallinckrodt (1817-1881). Von Hause aus Jurist, hatte er in Dortmund viele öffentliche Ämter inne, bis sich dieser treue »Beförderer ächter Aufklärung« (Allgemeine Deutsche Biographie) 1811 ganz auf die Herausgabe des Rheinisch-westfälischen Anzeigers konzentrierte.

»In der ›Publizität‹ sah Mallinckrodt das Mittel, durch das er an der Bildung einer öffentlichen Meinung mitarbeiten und in der breiten Öffentlichkeit zu Gehör kommen konnte. [...] Mit Hilfe des Abonnentenwesens organisierte er seinerseits die Leserschaft, ward zur Keimzelle entstehender geselliger Agglomerationen und kettete kontinuierlich Massen zusammen.« (Lutowski)

Mallinckrodt erkannte schon früh die zunehmende Bedeutung der Presse für die Meinungsbildung der Bürger. Er schrieb 1792:

»Alles, was das Gemeinwesen angehe, müsse zu jedes Bürgers Wissenschaft leicht gelangen können, es sollte insbesondere jährlich der Zustand der Finanzen, die Einnahmen und Ausgaben jedes Jahres mit der detaillirten Anzeige des Ertrages eines jeden Fonds, der Betrag der öffentlichen Schulden nebst der Anzeige, welche abgelegt worden, ferner sollten die Gründe der obrigkeitlichen Verordnungen, alle öffentlichen Verträge und die wichtigeren Stadtangelegenheiten bekannt gemacht werden, und dazu könne ein ›Bürgerblatt‹ dienen.«

Erklärter Zweck des Westfälischen Anzeigers war es, »den Gemeingeist in Westfalen zu wecken, zu nähren, zu beleben, die Vaterlandsliebe immer mehr anzufachen; nützliche Kenntnisse in größeren Umlauf zu bringen und zu verbreiten; jedes Gute zu befördern, wo sich Gelegenheit dazu bietet; dem edlen Sinne fürs Gute, für Religion und Tugend Stoff und Nahrung zu geben; das zu prüfen und zu beherzigen, was das gesellige und bürgerliche Leben erleichtert und verschönert.«

Mallinckrodt zog etwa 300 Autoren als Mitarbeiter an das Blatt heran, mit dem er eine Leserschaft von mindestens 6.000 Personen erreichte.

» Durch sein vehementes Eintreten für die Pressefreiheit kam er verschiedentlich selbst mit der Zensur in Konflikt. Als der Anzeiger es wagte, die Übergriffe der preußischen Einquartierungen zu rügen, wurde Mallinckrodt zu zweimonatiger Festungshaft verurteilt. Er hat die Strafe nicht angetreten, sondern sein Recht bis in die höchste Instanz verfochten, die ihn freisprach. Sein Kampf um die Pressefreiheit erregte in Deutschland einiges Aufsehen, führte aber zu keinen Fortschritten. Im Dezember 1818 sah er sich gezwungen, die Herausgabe des Anzeigers endgültig aufzugeben.« (Lutowski)

Hierauf verkaufte Mallinckrodt das Blatt samt Druckerei und Vertrieb. In Jena unternahm er den gescheiterten Versuch, eine Professur zu erlangen und den Rheinischen Merkur als Neuen Rheinischen Merkur wiedererstehen zu lassen. Resigniert zog er sich ins Privatleben zurück. 1819 kaufte er das Gut Schlefe bei Soest. Er verstarb 1825 bei einem Besuch in Soest. Seine Grabstätte ist in Schlefe.


In Dortmund verbrachte der 1869 in Dortmund-Wellinghofen geborene Alfred Funke seine Jugendzeit. Der Pfarrer und Schuldirektor lebte lange Zeit in Brasilien. Er verfaßte Bücher über die Kolonialisation in Südamerika, historische Romane und eine Vielzahl von Westfalenromanen, wie Der Bruch im Lande (1924), Der Middelhof (1925) oder Die heilige Scholle (1930), in denen »sich schon die Ablösung agrarisch geprägter Gesellschaftsstrukturen durch industrielle Entwicklungen «(Albin Lenhard) andeutete.

Auch Richard Huelsenbeck (*1892 Frankenau/Hessen – †1974 Locarno) (s. Steinfurt-Burgsteinfurt) verbrachte seine Jugend in Dortmund. Er war 1916 gemeinsam mit Hugo Ball (1886-1927) maßgeblicher Wegbereiter des Dadaismus im Züricher Cabaret Voltaire. Anschließend brachte er den Dada nach Berlin. Nach Dada bereiste er als Schiffsarzt die Welt. 1936 emigrierte er nach New York, wo er sich als Psychiater niederließ. Er hat sich in vielen Schriften mit der Geschichte des Dadaismus auseinandergesetzt.

»Richard Huelsenbeck – einer der Irrationalen, die den Verlust der Mitte proklamierten, die mit Verzweiflung, Aggression auf die visionäre Erkenntnis reagierten, das die Kunst bedroht sei. Die Sprengung des Subjekts, von der die dadaistische Erregung zitterte, sucht nach einem neuen Weg, nach einem neuen Menschen [...]. Huelsenbeck rückte mit Angriffslust und Gelächter eines Dadaisten gegen Agonie und Todestaumel seiner Epoche vor. Als promovierter Mediziner, ausgebildet zum Psychiater, bricht er hinter sich die literarische Karriere ab, die ihn auf dem Höhepunkt der dadaistischen Bewegung in Zürich und Berlin gesehen hat.« (Klaus Manger)

»Zweimal, von der Presse aufmerksam beachtet, hat er noch Dortmund besucht, auf Einladung des literarischen Mentors dieser Stadt, des damaligen Bibliotheksleiters Fritz Hüser, aber auch, weil ihm die Beziehung zu dieser Stadt immer wichtig geblieben ist. In seinem Erinnerungsband »Reise bis ans Ende der Freiheit« berichtet er sehr liebevoll über seine Dortmunder Kindheit, über sein Verhältnis zu seinem Dortmunder Großvater, einem Markscheider (heute würde man sagen: Vermessungsingenieur im Bergbau) und über dessen umfangreiche Bibliothek, die dem jungen Richard viele Anstöße gab.« (Heinrich Peuckmann)

Literarische Stätte: Grab auf dem Südwestfriedhof in der Familiengruft Fritz Hüsers (s. Dortmund) (Grabfeld 22); Nachlaß in der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund und im Deutschen Literaturarchiv Marbach. In Huelsenbecks Geburtshaus in Frankenau/Mittelhessen ist ein kleines Dada-Museum eingerichtet worden.

Ebenfalls nur seine Schulzeit in Dortmund verbrachte der später in Berlin ansässige Expressionist Alfred Richard Meyer (1882-1952 Lübeck). Er gehörte zur frühexpressionistischen Berliner Vorkriegsbohème, die ihre Gedichte und politischen Aufrufe in der Zeitschrift Aktion veröffentlichte. Seit 1907 gab Meyer unter dem Pseudonym Munkepunke in Berlin lyrische Flugblätter heraus. Sie hatten eine Auflage von 500 Exemplaren und kosteten 50 Pfennige. Erich Grisar bezeichnete Meyer als »einen Groteskdichter, einen ernsthaften Lyriker, geistreichen Spötter, Spezialist in amüsanten Verrücktheiten, Koch für literarische und gastrosophische Gaumen sowie beispielhaften Verleger (damals) namenloser Dichter«.

Paul Polte, ein Mann »der gleichermaßen der Arbeiterbewegung wie der bildenden Kunst und Literatur unserer Zeit leidenschaftlich verbunden war« (Fritz Hüser), wurde 1905 in Dortmund geboren; »kleinbürgerlich-proletarischer Herkunft, hatte [er] sich vom kaufmännischen Angestellten in der Autobranche zum Journalisten entwickelt. Er [...] schrieb kritische und bissige Verse, in deutlicher Abhängigkeit von Erich Kästner und Kurt Tucholsky, Verse, die in der sozialdemokratischen Zeitschrift ›Kulturwille‹ in Leipzig, im ›Simplizissismus‹, aber auch in der Vagabundenzeitschrift des Gregor Gog ›Der Kunde‹ erschienen.« (Renate von Heydebrand)

Polte gehörte in den zwanziger Jahren dem Bund Proletarischer Revolutionärer Schriftsteller an, um 1930 gründete er nach dem Vorbild sowjet-russischer Agitprop-Gruppen das Kabarett Gruppe Henkelmann und 1931 die Zeitschrift Ruhrstadt, die jedoch nur ein Jahr existierte. Polte starb 1985 in Dortmund.

Bruno Gluchowski (*1900 Berlin – †1985) kam Ende 1919 nach Westfalen. 25 Jahre im Bergmannsberuf tätig, begann er Ende der 20er Jahre zu schreiben. Als KP-Mitglied wurde er 1930 entlassen. Nach dem Krieg war er bis 1963 erneut im Bergbau tätig. Er war einer der Mitgründer der Gruppe 61 um Max von der Grün (*1926).

»Bei Bruno Gluchowskis Prosa fällt unmittelbar die Pro-Mensch-Haltung auf. Er zeigt in seinen Erzählungen, Hörspielen und Romanen den Mensch in der Bedrohung. Der Mensch ist den Apparaten der Macht und den Mechanismen der Abhängigkeit ausgesetzt. Besonders am Arbeitsplatz wird die Verletzbarkeit des inneren und äußeren Menschen deutlich.« (Josef Reding)

Erich Grisar (1898-1955), Herausgeber von Emigranten-Literatur, selbst Verfasser von Gedichten, Reportagen und Romanen mit Schauplatz Ruhrgebiet, die thematisch häufig im zweiten Weltkrieg angesiedelt sind, entstammt einer Dortmunder Arbeiterfamilie.

»Er wurde mit 14 Jahren Lehrling in einer Fabrik für Kessel- und Brückenbau und mit 18 Jahren Soldat; 1919 kehrt er schwer verwundet aus dem Krieg zurück und findet, genesen, Beschäftigung in der Dortmunder Westfalenhütte. Kriegs- und Arbeitserfahrungen sowie die Begegnung mit Tolstoj [...] machen ihn zum Sozialisten und Pazifisten« (Lenhard).

1923 veröffentlichte Grisar in Leipzig seinen ersten Gedichtband, Morgenruf. Ab 1924 lebte er als freier Schriftsteller zumeist in Dortmund. Im Krieg war er noch einmal Arbeiter in einer Maschinenfabrik, anschließend dann Bibliothekar. Ein Grundmotiv seines Werkes war die Liebe zur Heimat trotz alledem.

Literarische Stätte: Grab auf dem Südwestfriedhof; Nachlass in der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund.

Hugo Wolfgang Philipp (*1883 Dortmund – †1969), ein aus einfachem Elternhaus stammender literarischer Einzelgänger, gelang in Berlin, wo er als Gelegenheitsarbeiter ein notdürftiges Auskommen hatte, mit der grotesken Tragödie Der Clown Gottes (1921) ein großer Theatererfolg, der auch seinen Erstling Das glückliche Einmaleins (1924) noch einmal populär machte. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft mußte er während des Dritten Reichs emigrieren. Er starb in Zürich. Dort betreut heute die Philipp-Literatur-Stiftung seinen Nachlaß.

Karl Prümer (1848-1933) verfaßte neben humoristischen Kleinstadtbildern, Chroniken und Schilderungen von Sitten und Gebräuchen in Westfalen auch sozial engagierte Schriften. Er trat als Herausgeber der Zeitschrift Der Fortschritt und der Dortmunder Volkszeitung in Erscheinung. Von Beruf aus Buchhändler, lebte er nach vielen Wanderstationen, die ihn ins In und Ausland führten, seit 1911 wieder in seiner Geburtsstadt, in der er auch verstarb.

Henriette Davidis (s. Wetter-Wengern) (1801-1876), Erzieherin an einer Mädchenarbeitsschule in Sprockhövel, schuf sich als Kochbuchautorin mit ihrem Man nehme ... einen unverwechselbaren Namen. Ihr Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und die feine Küche brachte es auf 76 Auflagen und ist noch heute nicht ganz in Vergessenheit geraten. Sie verfaßte daneben auch vielgelesene Erziehungsschriften. Ihr Buch Die Hausfrau gewährt dabei Einblicke in die Lebenssituation der Frau um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Es verfolgt die Absicht, den angehenden Hausfrauen die ›häuslichen Tugenden‹ (Kochen, Nähen, Putzen, treues Umsorgen des Ehemannes) ›schmackhaft‹ zu machen. Solche Erziehungsratgeber stehen noch in der Tradition volksaufklärerischer Schriften, wie sie im Westfälischen seit etwa 1780 zum Teil in staatlichem Auftrag verbreitet wurden und hohe Auflagen erlebten.

Literarische Stätten: Gedenkstein auf dem Ostenfriedhof; zahlreiche Zeugnisse aus ihren Veröffentlichungen im Deutschen Kochbuchmuseum (An der Buschmühle im Westfalenpark). »Aber nicht die Rezepte stehen im Vordergrund der Ausstellung, sondern die Kochbücher in ihrer Funktion als Erziehungsschriften und Ratgeber. [...] Themenbereiche sind zum Beispiel: Mädchenerziehung – Erziehung zur Hausfrau, Küche um 1860/70 oder der Eßtisch in bürgerlichen und einfachen Haushalten.« (Museumshandbuch Ruhrgebiet)

Fritz Hüser (*1908 Heissen bei Mülheim/Ruhr – †1979 Dortmund) war von 1945 bis 1973 Direktor der Stadtbücherei Dortmund. 1958 brachte er das von ihm aufgebaute Archiv für Arbeiterdichtung und soziale Literatur in die Dortmunder Stadtbücherei ein und begründete so das Institut für deutsche und ausländische Arbeiterliteratur (heute ca. 31.000 Bände), das heute Hüsers Namen im Untertitel trägt.

Hüser wurde 1908 als Sohn eines Bergarbeiters geboren, begann 1923 eine Lehre als Former in einer Dortmunder Werkzeugfabrik, trat als 15jähriger der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ), dem Jugendverband der SPD, bei und lernte in der Bildungsarbeit der Arbeiterjugend einige Arbeiterschriftsteller persönlich bei Lesungen kennen. Er begann schon als Jugendlicher, Broschüren, Zeitungsausschnitte und Bücher zu sammeln. 1931, nach 8jähriger Tätigkeit als Metallarbeiter, wurde er nach einem Betriebsunfall zum Bibliothekar umgeschult. Während des Krieges baute er eine Werksbücherei auf und sammelte bei dieser Gelegenheit illegal die damals verbotene Arbeiterliteratur. 1945 wurde er in Dortmund zum Direktor der Volksbücherei ernannt, die er bis 1973 leitete. Bis kurz vor seinem Tod führte er das in städtischen Besitz überführte Institut für Arbeiterliteratur weiter. Hüser erlangte daneben als Anreger einer neuen Industrieliteratur Bedeutung. Er förderte u.a. seinen späteren Schwiegersohn Max von der Grün. Mit ihm gehörte er zu den Gründern des Arbeitskreises Literatur der Arbeitswelt und der Gruppe 61.

Literarische Stätte: Hüsers Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof in Dortmund-Groß-Holthausen. 1988 wurde in Dortmund ein Förderverein für das Institut für deutsche und ausländische Arbeiterliteratur (Ostenhellweg 5658) gegründet. Das Institut bewahrt heute den Nachlass von Heinrich Lersch (1889-1936) auf, den TeilNachlass von Paul Zech (1881-1946), ein vollständiges Archiv der Gruppe 61, ein Gesamtarchiv zum Werkkreis Literatur der Arbeitswelt sowie Sondersammlungen zu den Werkleuten auf Haus Nyland, dem Ruhrlandkreis und dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. Zum Bestand gehören weiterhin Sammlungen zu Bruno Gluchowski (1900-1985), Erich Grisar (1898-1955), Max von der Grün, Walter Vollmer (1903-1955), Josef Winckler (1881-1966) und Otto Wohlgemuth (1884-1965).

In Dortmund-Benninghofen wurde 1906 August Kracht geboren. Der Redakteur und Pressereferent (in Soest, Münster, Gelsenkirchen, Recklinghausen und Essen) war promovierter Germanist. Von 1968 bis 1987 lebte er als freier Schriftsteller in Iserlohn, Hemer und Bad Salzuflen. Er veröffentlichte vielfach auf Westfalen bezogene Lyrik, Dichterporträts, sowie Erzählungen und Abhandlungen zur Landes- und Kunstgeschichte.

Aus Dortmund-Hörde stammt Walter Dirks (*1901 – †1991 Wittnau bei Freiburg). Der vielfach ausgezeichnete Journalist (Großes Verdienstkreuz 1959, Kulturpreis des DGB 1969, Romano-Guardini-Preis 1981, Geschwister Scholl-Preis 1983, Staatspreis NRW 1986, Reinhold Schneider-Preis 1987) war nach dem Studium der Theologie, Philosophie und Soziologie zunächst von 1924 bis 1934 Kulturredakteur bei der Rhein-Mainischen Volkszeitung und anschließend von 1935 bis 1943 bei der Frankfurter Zeitung. Seit 1946 war er Mitherausgeber der Frankfurter Hefte, von 1956 bis 1967 Hauptabteilungsleiter des WDR.

»Um die Mitte des Jahrhunderts schrieb ein heute, da das Saekulum sich neigt, alter aber unverzagter und um nichts ungeduldigerer Schriftsteller über sein Werk: »Es ist eine Arbeit, die ihre Frucht tragen kann, wenn die Zeit gekommen ist – für den Fall, daß die Zeit kommt.« (Günther Roeder)

Weitere literarische Stätten: Die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund bewahrt größte Anzahl von Schriftstellernachlässen in Westfalen auf, darunter die Nachlässe von Hans Ballhausen (1894-1980), Bruno Gluchowski (1900-1985), Erich Grisar, Johannes Hoischen (1904-1983), August Kracht (1906-1987), Daniela Krein (1897-1986), Ewald Pfannschmidt (1902-1984), Wilhelm Uhlmann-Bixterheide (1872-1936) und Walter Vollmer, außerdem kostbare Autographen, unter anderem von Annette von Droste-Hülshoff. Die Bibliothek gibt eine eigene Schriftenreihe heraus. Der Bibliothek angeschlossen ist das Institut für Zeitungsforschung mit einem Bestand von 62.000 Bänden und das Nelly-Sachs-Archiv.

Hinweise: In Dortmund wird seit 1961 der Nelly-Sachs-Preis und ein Förderpreis für junge Literaten sowie der Ingeborg-Drewitz-Preis der Initiative Gefangenenliteratur vergeben. Der seit 1989 bestehende Verein für Literatur e.V. plant die Einrichtung eines Dortmunder Literaturhauses.

Schauplatz: Dortmund ist Schauplatz von Leonhard Adelts Werden (Erzählung aus dem Schülerleben, Dresden 1899), von Carl Bulckes Der Kampf des Landrichters Kummacher (Roman, Dresden 1912), Ernst Fritz' Anno dazumal. Geschichte aus einer alten Stadt (Dortmund 1925), Bert Armands Mein Zug ins Ruhrgebiet (autobiographischer Roman über die Jahre 1913-1934, Rhinow/M. 1935), Walter Bernsmanns Die Sprache der Erde. Die Passion der Emscherbauern (historischer Roman aus der Zeit der Napoleonischen Kriege, Gütersloh 1935) und Georg Lahmes Der heilige Sünder (Roman, Meschede 1913). Weiterhin spielen auf dem Land der ›Roten Erde': Dietrich Darenbergs Die roten Riesen (Roman, Berlin 1913), Alfred Funkes Der Bruch im Lande (Halle 1924), Erich Grisars Kindheit im Kohlenpott (Karlsruhe 1946) und dessen Roman Die Hochzeit in der Kesselschmiede (Marburg 1949), Friedrich Spielhagens Frei geboren (Roman aus den 1860er Jahren, Leipzig 1900), Walter Schulte vom Brühls Roman von der roten Erde und Sachsenschädel (Leipzig 1907), Walter Vollmers Die Schenke zur ewigen Liebe (Berlin 1935) und Die Ziege Sonja (Leipzig 1933), Bernhard Fausts Die letzte Schlacht (Roman, 1929) sowie schließlich Werner Warsinskis mit dem europäischen Literaturpreis bedachter Roman Kimmerische Fahrt (1953) und die Erzählungen, Erinnerungen und mundartlichen Skizzen Karl Prümers. Auch Max von der Grüns Geschichtensammlung Friedrich und Friederike (1983) beschreibt das Leben in Dortmund.



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