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Banderole

1950-1975:

1951

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Peter Paul Althaus: »In der Traumstadt«

Althaus’ Gedichtbände »In der Traumstadt«, »Flower Tales«, »Dr. Enzian«, »Wir sanften Irren«, »Seelenwandertouren« und »PPA lässt nochmals grüßen« sind heute bibliophile Kostbarkeiten. Auch in literarischer Hinsicht sind diese schmalen Bändchen besondere Kleinode. Althaus’ Gedichte versprühen den Charme eines formgewandten Fabulierers, der mit Witz und Esprit seinen literarischen Vorbildern Ringelnatz und Morgenstern nacheiferte, dabei aber einen eigenen Ton fand. Die thematische Klammer dieser Bändchen bildet die von Althaus ersonnene Traumstadt-Idee. Die Traumstadt verkörpert die Vision einer Gesellschaft, die den Künstler nicht verstößt, sondern bereit ist, von ihm zu lernen – ein Ort des Austausches und der gegenseitigen Inspiration. In dieser Traumstadt regieren die Zwischentöne, und entsprechend weht ein Hauch von Wehmut und Melancholie durch die so seltsam bevölkerten Szenarien, die bitter-süßen Zirkuskulissen mit gedämpfter Jazzmusik, verwelkten Blumenarrangements und müden Clownsgesichtern. PPAs Gedichte leben von ihrem unschuldigen Phantasiereichtum. Entsprechend ist die Traumstadt in literarischer Hinsicht nur spielerisch zu bewältigen: mit überraschenden Reimen, mit Formenvielfalt, mit weitreichenden rhythmischen Spannungsbögen, mit »musikalischer« Lautmalerei. Es sind bei ihm surreale Bildkompositionen anzutreffen, die von Gemälden Kokoschkas, Kandinskys, Klees und Chagalls inspiriert zu sein scheinen. Althaus ist ein Dichter der Schattierungen. Mit filigraner Maßarbeit gelingen ihm Verse von anmutiger, entrückender Leichtigkeit. Dies gilt besonders für die »Flower Tales«-Gedichte. Hier wurde mit Recht von »der Zartheit, der Feinheit und der Delikatesse« dieser Blumenerzählungen gesprochen. In seinen »Dr. Enzian«-Gedichten klopft Althaus die Sprache auf ihren Hintersinn ab und weist damit auf die häufige Sorglosigkeit beim Umgang mit dem Wort hin. Auch hinter solchen scheinnaiven Wortspielchen steckt mehr. Sie fordern auf, genau hinzuhören, wenn es um Sprache geht und damit auch um ihren potentiellen Missbrauch. Auch Althaus’ Spätwerk kommt zu Wort, in dem resignative Töne dominieren. Existentielle Fragen drängen nach vorn, die Frage nach Gott, nach dem Sinn von Ideologie, Politik, Geschichte. Antworten sind kaum greifbar, weil Hoffnung und Zuversicht fehlen. Allein im Gedicht ist noch Trost: „Und weil es Gedichte gibt, / möcht’ ich noch leben.“Althaus wurde 1892 in Münster geboren, wo er bereits während seiner Studentenzeit zwei literarische Freundschaftskreise, einen Verlag und zwei Zeitschriften ins Leben rief. Um der münsterischen Enge zu entfliehen, ging er 1922 nach München, wo er schnell Anschluss an die Schwabinger Boheme fand. Als Kabarettist, Anthologist, Übersetzer, Verfasser von sechs Gedichtbänden und literarischer Organisator wurde der Lebenskünstler zur »Inkarnation« des Schwabinger Lebens. Als er 1992 in München starb, hinterließ er eine große Trauergemeinde. Die Stadt München stiftete ihm ein Ehrengrab.


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anhören download In der Traumstadt, Typ: MP3, Größe: 1124 KB

anhören download Ansichten aus der Traumstadt, Typ: MP3, Größe: 2819 KB

anhören download Ansichten aus der Traumstadt, Typ: MP3, Größe: 2819 KB
Quelle: Pendragon Verlag

anhören download Ein Spaziergang durch die Traumstadt., Typ: MP3, Größe: 2818 KB
Quelle: Pendragon Verlag
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