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1950-1975:

1963

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Erich Jansen: »Aus den Briefen eines Königs«

»Die Welt kennt keine Poesie« lautet der letzte Satz aus Erich Jansens Gedichtsammlung »Die nie gezeigten Zimmer«. Brieflich resümierte der Autor 1967: »Der Leser hat keine Beziehung zu meiner, ihm fremden Bilderwelt. Dränge ich mich auf, d.h. werde ich gedruckt, antwortet er mir mit Unbehagen und oft genug mit Bosheit.« Pessimistische Einsichten eines Autors, der in Stadtlohn eine Art Doppelleben führte, der tagsüber in der familieneigenen Apotheke Dienst tat und daneben jahrzehntelang – heimlich – seine literarische Befähigung erkundete. Seit seiner Sammlung »Der Schildpattkamm. Bilder aus einem alten Tagebuch« [1959] entwickelte Jansen eine Art lyrische Reduktionstechnik, die im Fortlassen einzelner Verse oder ganzer Strophen ihren Ausdruck fand. Die Sprache gewann an Dichte und Präzision, die Bilder an metaphorischer Stimmigkeit. Jansen entdeckt für sich die »Poesie der Szene«, den Sinn für das szenische Arrangement. Seine Empfänglichkeit für optische, akustische und klangliche Reize verdichtete sich in Bildern von synästhetischer Qualität. Der »Überblendungseffekt« führte zu naiv-verspielten Bilder, die surreale Züge annahmen. Er selbst sprach von »Musikbildchen«. Der Kreis von Jansens Verehrern ist klein, aber prominent: Hohes Lob zollte ihm Johannes Bobrowski, der über »Briefe eines Königs« schrieb: »...welche Genauigkeit im sprachlichen Kalkül, wodurch doch nirgends die freie Bewegung, das Leben der Bilder beengt wird, welche Kunst also – und dabei welcher Charme.«


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