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1950-1975:

1963

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Norbert Johannimloh: »En handvoll Rägen«

Anfang der 1960er Jahre befreite Norbert Johannimloh (Jg. 1930) die westfälische Mundartpoesie vom Ruch der Dönekes-Harmlosigkeit und wagte den Brückenschlag zur literarischen Moderne. Über seinen Gedichtband »En Handvöll Rägen« (1963) titelte eine Zeitschrift so plakativ wie zutreffend: »Johannimloh – die Hoffnung der Plattdeutschen.« Eine andere Überschrift lautete: »Vom Altväterton zum Neuen Klang. Niederdeutsche Literatur an einem Wendepunkt.« Bei Johannimloh werde das Plattdeutsche aus dem Unterholz des Kuriositätendaseins befreit. Als Anerkennung für »En Hand voll Rägen« (1963) erhielt Johannimloh im selben Jahr den »Klaus-Groth-Preis«, sechs Jahre später, nachdem inzwischen war seine zweite, diesmal hochdeutsche Gedichtsammlung »Wir haben seit langem abnehmenden Mond« erschienen war, den Rottendorf-Preis für niederdeutsche Literatur. Orientierungspunkte für Johannimloh wie für weitere moderne westfälische Mundartautoren war nicht mehr die traditionelle Mundartdichtung eines Augustin Wibbelt oder Anton Aulke, sondern die Werke Gottfried Benns oder die mundartlichen Sprachexperimente der so genannten »Wiener Schule«: Besondere Verdienste erwarb sich Johannimloh auch um das westfälische Hörspiel, das er inhaltlich und formal reformierte. »Airport Mönsterland« war das bis dahin erste O-Ton-Hörspiel im Dialekt, ein anderer Titel lautete »De Atomreaktor«. Ulf Bichel: »Unter den westfälischen Hörspielautoren der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ist Johannimloh sicher als der wichtigste hervorzuheben.« Jochen Schütt bezeichnete Johannimlohs Hörspielschaffen »als geradezu vorbildhaften Glücksfall« in der niederdeutschen Literatur. Insgesamt wurden seit 1962 über 10 Hörspiele Johannimlohs im WDR und in anderen Sendern ausgestrahlt.


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