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1950-1975:

1969

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Jenny Aloni: »Der Wartesaal«

Die Jüdin Jenny Aloni, geborene Rosenbaum, erlitt die Zeit des Nationalsozialismus mit aller Härte. Sie selbst entkam dem Holocaust nur durch ihre Auswanderung nach Palästina (1939), wo sie an der Hebräischen Universität in Jerusalem das Studium aufnahm. 1942 wurden ihre Eltern nach Theresienstadt deportiert, zwei Jahre später ermordet. Jenny Alonis Werk kreist um dieses Lebensschicksal, das sie mit zahlreichen Juden teilte: »Wie plausibel machen, dass ich überlebte, wo doch andere starben, erschossen, totgeprügelt, vergast, verhungert... Millionen andere, nur ich nicht... doch warum, warum gerade ich?« In ihrem schriftstellerischen Werk hat Jenny Aloni für die Beantwortung dieser Frage eine eigene Sprache gefunden, die in der deutschen Literatur wohl beispiellos ist. Die Erfahrung von Leid, Trauer und Entbehrung ist kaum eindringlicher und beklemmender in Worte zu fassen. Artifizielle Ambitionen lagen der Autorin fern, wir treffen bei ihr auf die einfache, ungeschminkte Wahrheit.»Der Wartesaal« (1969) ist der wohl eindringlichste Roman der 1917 in Paderborn geborenen Autorin, die 1993 in ihrem Wohnsitz nahe Tel Aviv starb. Eine Erzählerin, Insassin eines Frauenkrankenhauses, führt einen tagebuchartigen Dialog mit ihrer noch ungeborenen Tochter. Die Erzählerin lebt ohne Hoffnung auf Rettung, ebenso wie die Patienten, auf die nur noch der Tod wartet. Sie beobachtet den erbarmungswürdigen Verfallsprozess der Patienten und flüchtet sich, um selbst Kraft zum Überleben zu finden, in die poetische Imagination, die zum Beispiel darin zum Ausdruck kommt, dass sie den Kranken Namen gibt wie »Madonna«, »Prophetin« oder »Poetin«. Hoffnung – dieses Wort hat fast aufgehört zu existieren.Heute gilt Jenny Aloni als »bedeutendste deutschsprachige Schriftstellerin ihrer Generation in Israel«. Ein Großteil ihres Werkes blieb zu Lebzeiten unveröffentlicht. Die Herausgabe dieser Texte, darunter die lebenslang von der Autorin geführte Tagebücher, ist Bestandteil der Arbeit des Jenny-Aloni-Archivs, das Professor Hartmut Steinecke 1995 an der Universität Paderborn eingerichtet hat. Steinecke ist zugleich u.a. Herausgeber einer seit 1990 erscheinenden Aloni-Gesamtausgabe.


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