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1950-1975:

1974

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Arnold Leifert: »Signale im Verteidigungsfall«

Arnold Leifert, 1940 in Soest geboren und heute im Bergischen Land lebend, debütierte 1974 mit der politischen Agit-Prop-Lyrik »Signale im Verteidigungsfall«. Sie erschien im renommierten S.-Fischer-Verlag und enthält sog. »Doku-Gedichte«, d.h. plakative Texte, die der Autor zum Beispiel in Tageszeitungen fand. Auf Veranstaltungen mit der Polit-Hardrock-Gruppe »Franz K.« brachte er diese Texte auf Marktplätzen, Rockfestivals und anderen Meetings lautstark und unerschrocken zu Gehör. Seine Zuhörer animierte er dazu, ähnliche entlarvende Texte wie den folgenden aufzuspüren: »15 / türkische / Gastarbeiter // z. Zt. / als Bauhelfer / und Hilfsarbeiter / tätig // abzugeben // Interessenten / wenden sich / bitte an« (Zitat aus Neue Ruhrzeitung, Essen) Nach Jahren der poetischen Abstinenz gelang ihm 1996 mit den Naturgedichten »Damit der Stein wächst« ein vielbeachtetes Comeback. Der Band erreichte, für Lyrik ein rarissimum, eine zweite Auflage. Den »neuen Leifert« hat man häufig als Naturlyriker klassifiziert, womit man ihm jedoch nicht gerecht wird, denn auch diese Texte sind politisch, sind radikal, weil sie nach den Axiomen menschlicher Existenz fragen. In der Naturferne, im Verlust »wirklicher«, unmittelbarer Wahrnehmung, entlarvt sich die Oberflächlichkeit einer Wohlstandsgesellschaft, in der das Laute, das Marktschreierische alles übertönt. Leiferts späte Texte sind verhalten und dadurch auf ihre Weise nachhaltig – aufs Wesentliche reduziert, steuern sie geradewegs auf Grundfragen der Existenz zu.


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