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zurück A wie Alphabetisierung


Die Zahl der »wirklichen« Buchkonsumenten im Deutschen Reich wird um 1800 auf lediglich ein Prozent geschätzt. In Westfalen war es um die Bildung des »einfachen Mannes« besonders schlecht bestellt. Die Unterschicht (hauptsächlich Kleinbauern und Heimgewerbetreibende, die 80 Prozent der Gesamtbevölkerung stellten) befand sich besonders in Zeiten von Missernten in einer desolaten Lage. An schöngeistige Lektüre war da nicht zu denken. Seit etwa 1770 bemühten sich Volksaufklärer (Pädagogen, Landgeistliche, Beamte), die Lesefähigkeit systematisch zu verbessern. Dabei ging es nicht um Belletristik, sondern um die Verbreitung aufklärerischer, sittenstrenger und praktischer Schriften etwa zur Erlernung fortschrittlicher Ackerbaumethoden. Die Maxime lautete: »Der Aufgeklärte ist dem Staat zehnmal mehr wert als der Rohe.« Bernard Overbergs Erziehungsschriften und Anton Bruchausens »Anweisung zur Verbesserung des Ackerbaus und der Landwirtschaft« gingen unmittelbar auf Anregungen des aufgeklärten Ministers Franz von Fürstenberg (1729-1810) zurück und wurden kostenlos verteilt. Overbergs »A-B-C Buchstabir- und Lesebuch« sowie seine »Anweisung zum zweckmäßigen Schulunterricht für die Schullehrer im Hochstifte Münster« (1793) bildeten die Grundlagenwerke der Lehrerausbildung. Overbergs »Katechismus zum Gebrauch der größeren Schüler« erreichte 1900 die 104. Auflage, sein »Katechismus zum Gebrauch der kleineren Schüler« 1897 die 107. Auflage.

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