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zurück A wie Arbeiterliteratur


Die soziale Dichtung gewann in Westfalen Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung. Ein früher Repräsentant ist Heinrich Kämpchen. Er hatte eine große Leserschaft, weil er von 1890 bis 1912 in fast jeder Ausgabe der »Bergmanns-Zeitung« mit einem Gedicht auf der Titelseite vertreten war. In Kämpchens Versen tritt das Elend des Kumpels ungeschönt vor Augen. – Ab 1912 machte eine literarische Gruppierung überregional von sich reden, die »Werkleute auf Haus Nyland«. Eine ihrer Zentralfiguren war der in Rheine geborene Josef Winckler, der 1914 »Eiserne Sonette« veröffentlichte. Die »Werkleute« schrieben keine klassische Arbeiterliteratur, sondern Industriedichtung mit idealistischem Einschlag. Die mechanistische Welt der Maschinen sollte mit den elementaren Kräften der Natur und des Menschen vereinigt werden. – Eine Verbindung von Arbeiterdichtung und Expressionismus vollzog Paul Zech in seiner Gedichtsammlung »Das schwarze Revier« (1913). In den 1920er Jahren wurde die Arbeiterliteratur agitativ: Ein Beispiel hierfür ist Hans Marchwitzas Heftroman »Sturm auf Essen«, der in der Reihe »Der Rote Eine-Mark-Roman« erschien. Die soziale Grundierung westfälischer Literatur schlug sich auch in den politischen Kabaretts der 1920er und 1930er Jahre (»Gruppe Henkelmann«, »Rote Propeller«) nieder. Erich Reger (d.i. Hermann Dannenberger) verfasste »den« deutschen Industrieroman, »Union der festen Hand« (1931). Er thematisiert den Aufstieg der Krupp-Dynastie und deren Verstrickung in Rüstungsgeschäften im Dritten Reich. In der Dortmunder »Gruppe 61« und ihren Nachfolgegruppierungen blieb die politische und soziale Dichtung bis heute Programm. Der Bogen lässt sich bis zu den vielfach preisgekrönten Romanen Ralf Rothmanns (Jg. 1953)  spannen. In »Stier« (1991), »Milch und Kohle« (2000) und »Junges Licht« (2004) arbeitet er – teilweise hochpoetisch – seine Kindheit und Jugend im Revier auf (s. auch die Stichpunkte »Gruppe 61« und »Werkkreis Literatur der Arbeitswelt«).

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